Die Rennamazone aus dem Vogtland
Diese Frau war einmalig im Motorsport der DDR. Siegerkränze, Pokale und viele Schleifen erinnern an das Vierteljahrhundert, in dem sie entscheidend an der Motorsportgeschichte im Ostteil unseres Landes mitschrieb.

Am Anfang der Laufbahn stand schon ein Titelbild in der ims (Illustrierter Motorsport) – Ausgabe Nr. 11 vom 01. Juni 1960 und zu lesen war u.a.: „Bei den Ausweisfahrern der Klasse 4 – 125 ccm imponierte besonders ein Mädel vom MC Plauen, wohl die einzige Frau, die gegenwärtig in der DDR dem Rennsport huldigt. Helga Steudel hielt rundenlang die Zuschauer in Atem. Als das Feld losging, hatte sie keineswegs einen günstigen Start, trotzdem lag sie schon nach Runde 1 weit voraus an der Spitze...“.
Wie alles begann
Schon Helgas Kindheit war vom Sport geprägt. In Görschnitz (zwischen Greiz und Plauen im Vogtland) geboren, trieb sie Leichtathletik und Geräteturnen und wäre am liebsten zu einer Kinder- und Jugendsportschule oder auf die DHfK nach Leipzig gegangen. „Fast aus Tradition“ ging es aber erst mal beruflich in die Landwirtschaft, aber in ihr blieb der Wunsch nach einem sportlichen Kräftemessen. Mit dem Erwerb der Fahrerlaubnis 1959, fand sie dafür die ideale Möglichkeit. Sie trat dem MC Plauen bei, und ihr‚ Leben auf schnellen Rädern’ begann.
Auf zwei schnellen Rädern unterwegs 1959 – 1967
Den ersten goldenen Lorbeerkranz fuhr sie 1963 beim Bergrennen in Geyer, nach vielen Top- Platzierungen, aber leider auch Ausfällen oft aus technischen Gründen, ein. Besonders auf ihrer Heimstrecke, dem Schleizer Dreieck, konnte sie immer mit tollen Leistungen glänzen. Hier lieferte sie sich mit ihren stehts rein männlichen Konkurrenten 1963 ihr bis dahin fahrerisch bestes Rennen, was zum 2. Platz führte. Dann 1963 die Dresdner Autobahnspinne. Schon am Start stand Helga in der ersten Startreihe. Die Männer hatten mal wieder das Nachsehen. Der Sieg war der schönste Saisonabschluß für Helga. 1964 kam es in Schleiz zu einem rundenlangen Duell mit ihrem Teamkollegen Theo Colditz, der aber nicht gewillt war ihr den Vortritt zu lassen, sie konnte sich über einen dritten Platz freuen.
Zu ihrem größten Erfolg auf zwei Rädern kam es am 17. Juli 1965 auf dem Sachsenring. Im Rahmen der Weltmeisterschaftsläufe lies die Rennleitung auch die 125er Ausweisklasse vor diesem tollen Publikum starten. Die Lizenzklasse war ihr als Frau in den 1960ern verwehrt, somit war die Teilnahme an diesem Rennen ein Erfolg. Dem setzte sie noch eine Krone auf, in dem sie nach einer Regenfahrt einen von den Zuschauern vielumjubelten Sieg einfuhr. 1966 erfüllte sich noch ein Wunsch, der Gewinn des ADMV-Juniorenpokals, dem eigentlich zum bereits wiederholten male der Aufstieg in die Lizenzklasse folgen musste.
Helga Steudel war in Rennfahrerkreisen ob ihres Könnens, ihrer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft geachtet und beliebt. Die junge Frau im Lederdreß, so wie sie das Publikum auf allen Rennstrecken von Bernau bis Schleiz kannte.
Ab jetzt müssen vier Räder ran 1970 – 1983
1970 startet sie nun verheiratet als Helga Heinrich erstmals auf vier Rädern. Mit einem Melkus RS 1000 gibt sie ihr Debüt in Lückendorf.
Es folgte 1974 der Sportwagen Spider B6 bis 1100 ccm. Der Spider-Sportrennwagen ein Eigenbaumodell was so nur in der DDR und in den sozialistischen Nachbarländern gefahren ist. Wie der RS 1000 auch aus der Automobilschmiede Melkus in Dresden. Bergrennen wie ECCE HOMO, Havirove und Piestany (CSSR); Inselberg, Ruhla, Iberg, Südharzer Bergrennen, Schwartenberg und natürlich auf ihrer Heimstrecke an der Mühlwand, hier konnte Helga den Fans ihre fahrerischen Qualitäten und den wieder rein männlichen Konkurrenten die Rücklichter zeigen. 1979 gelang ihr in dieser Automobilklasse zudem der Sieg in der DDR-Bestenermittlung. Ein Titel der bis Heute bestand hat, da dies die letzte Meisterschaft in dieser Klasse war.
Der Automobilrennsport in der DDR suchte in den damaligen Jahren ständig nach neuen Herausforderungen. So entstand der Formelrennwagen B8 bis 1300 ccm. Natürlich reizte auch Helga diese Herausforderung und sie fuhr 1979 den Spider (Nr. 11) parallel zum neuen Rennwagen B8 (Nr. 70) in der LK II. Mit dem Rennwagen B8 gelang ihr auf Anhieb was auf dem Motorrad nur ein Traum blieb – der Aufstieg in die Leistungsklasse I und auch sehr schnell die Internationale Lizenz. Ab 1980 konnte sie hier an den Start gehen. Wiederum sind es die Bergrennen wie das Steier-Bergrennen und die Bergeuropameisterschaft in ECCE HOMO (Sternberk, CSSR) die Helgas Fähigkeiten fordern und zu Siegen geführt haben.
Hallo Helga,
ich wünsche Dir Alles Gutes im 2009
villeiht sehen wir uns im Schleiz
Mfg.
Robert Rendek